Was meine Bilder über mich aussagen, oder auch nicht

Manchmal irritiert es mich, dass von einem Bild auf meinen aktuellen Gemütszustand geschlossen wird. Ich male sicher intuitiv und hauptsächlich aus dem Bauch heraus, ohne Vorlagen. Und ich erzähle damit über Gefühle, versuche sie abstrakt darzustellen und durch Farbe eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. So gut zu werden, dass Betrachter sich berührt fühlen oder es sogar etwas in ihnen auslöst, ist mein Ziel. Manchmal ergeben sich dadurch tolle Gespräche, dass ist eine große Bestätigung für mich. Aber ich bin nicht mein Bild.

Bei einem Landschaftsmaler fragt niemand, wie das geistige Befinden während des Prozesses war.

Ich muss mich nicht im aktuellen Moment mies fühlen, nur weil ich gerade ein Bild über Ängste oder Schmerz male. Das wäre auch nicht gut, denn Kunst ist für mich keine Selbsttherapie, die schlechte Arbeit entschuldigt. Ich mache mir Gedanken über meine Komposition, welche Farben ich nehme, welche Technik die Beste ist und wenn der Rahmen für meine Arbeit mehr oder weniger festgelegt ist, dann geht es erst an den „Künstlerischen Ausdruck“. All das zusammen ergibt dann das Werk.

Hilfe, ich studiere Kunst

Nachdem ich schon lange autodidaktisch male, habe ich mich seit ca. 2 Jahren mit dem Gedanken getragen, Kunst richtig zu studieren. Warum? Ich habe genug Fantasie für zwei Leben, aber immer öfter komme ich an meine handwerklichen Grenzen. Das möchte ich gern ändern.

Ich habe mit informeller Malerei angefangen und liebe es immer noch. Genauso viel Freude macht es aber auch, ein Bild zu planen und zu komponieren. Ich möchte gern das beste aus beiden Welten für mich nutzen.

Klein, aber fein

Ich interessiere mich im Moment für kleine Muster und Formen. Das fasziniert mich. Am meisten inspiriert mich Lee Krasner dabei. Es ist eine besondere Art zu malen, es erfordert Geduld. Natürlich muss man sich vorher überlegen wie man das Bild anlegt. Ich mache dazu diverse Entwürfe, bis es das ist, was ich möchte. Aber wenn man sein System hat, dann wiederholt es sich immer bis zum Schluss.

Ich finde das sehr meditativ und entspannend. Allerdings arbeite ich erstmal mit dem Format 30×30 cm. Keine Ahnung, wie ich das bei einem großen Format durchhalte.

Dieses Bild hier hat einen bunten Hintergrund mit Acryl gemalt und die Details sind in Öl. Es ist das erste seiner Art und ich hoffe, dass eine Serie entsteht.

Ist das Kunst? Das sollen andere entscheiden. Ich weiß, dass man ein gutes Gefühl für die Balance des Bildes braucht. Es ist wie eine Melodie, die man mit Linien komponiert. Und ich glaube, dass die Gedanken und Gefühle, die man während des Prozesses hat, in jedem kleinen Strich ihren Ausdruck finden und das Bild lebendig werden lassen.

Kunst, Corona und Deutschland

Ich frage mich, wie sich der Lockdown und Corona auf die Kunst auswirkt. Wird sie fröhlicher, wilder, grau, langweilig? Jeder von uns ist ziemlich auf sich allein gestellt, Ablenkung und Inspiration von außen wird es nicht geben. Die Zeiten sind extrem im Vergleich, die Rechten kriechen aus ihren Löchern weil sie Gehör finden.

Ich frage mich, ob es in der Weimarer Republik auch so war, von der Stimmung her. Eines ist gleich, die Leute fühlen sich unsicher, haben Angst und als erstes wird ein Sündenbock für die Misere gesucht. Damals waren es die Juden und alle, die anders sind. Heute ist es Corona und die Ausländer oder Deutsche mit Migrantenhintergrund, besonders oder weil sie Moslems sind.

Das macht mir Angst.

Kunst ist Leben, leben ist Kunst, oder so

Wie komme ich zu dem Zitat? Es fiel mir sehr spontan ein, oft weiß ich selbst erst beim weiteren Nachdenken warum mir was einfiel und was ich sagen möchte. Natürlich rein subjektiv.

Die Lebenskunst ist es, einigermaßen heil durchzukommen, andere Menschen immer mit Respekt zu begegnen und Liebe. Das ist nicht einfach. Gerade in dieser Zeit mit Corona fällt mir auf, wie dumpf doch viele sind, von Respekt und Liebe keine Spur. Ich liebe auch nicht jeden, aber ich versuche so eine Art abstrakte Liebe für meine Mitmenschen zu behalten. Kunst ist es auch – in meinem Fall – ganz unten aufzuschlagen, sich wieder aufzurappeln und keine Bitterkeit mehr zu fühlen über die schlimmen Sachen, die passiert sind. Bitterkeit ist, was Menschen zerfrisst und hässlich macht.

Ohne ein gelebtes Leben ist es nicht möglich, gute Kunst zu machen. Ich weiß nicht, ob meine Kunst „gut“ ist, aber sie ist ehrlich. Alles was ich produziere, kommt aus meinem Herzen. Wenn ich nicht das Leben gehabt hätte dass ich hatte, könnte ich nicht so malen. Vielleicht würde ich dann Landschaften abmalen (nichts gegen Landschaftsmaler, aber sehr wenige sprechen mich an). Ich habe soviel in mir, Trauer, Schmerz, Freude, Craziness und das bringe ich zum Ausdruck.

So bedingt das Eine das Andere für mich.

Art in the Box – der Tag danach

Am 18.10. und 25.10. fand jeweils die Ausstellung statt in 25 leeren Boxen im Blue Sky Lager in Frankfurt. Eine tolle Idee. Normalerweise werden dort Moebel, Drogen, Leichen usw. gelagert. Drogen und Leichen entspringen meiner lebhaften Fantasie, nicht dass es Geruechte gibt.

Jede(r) hatte seine zugewiesene Box, manchmal auch zwei oder drei, in dem wir unsere Kunstwerke praesentieren durften. Es war sehr interessant, viel verschiedene Kunst zum sehen. Wir hatten auch recht viel Publikum, zumindest fuer Corona Zeiten.

Mir hat es grossen Spass gemacht und es war auch genau der Anstoss, den ich brauchte um wieder aktiver zu werden. Die letzten Monate waren recht aufregend, aber nicht unbedingt in kreativer Hinsicht…