Die Reise nach Namibia war eine intensive Erfahrung, die immer noch nachwirkt. Einerseits war vieles sehr fremd und manchmal auch verstörend, andererseits habe ich mich dort von Anfang an sehr wohl gefühlt. Namibia ist ein Land, das Emotionen hervorruft. Es ist schwierig, diese Erfahrung wiederzugeben und die richtigen Worte dafür zu finden, aber ich werde es mal versuchen.
Da ist einmal die Landschaft. Man muss die Wüste und die Einsamkeit mögen. Wenn man sich darauf einlässt, spürt man nach einer Weile, wie sich der Geist und die Seele öffnen. Es gibt nichts, was ablenkt und man kommt endlich mal wieder bei sich selbst an.
Da sind die Menschen. Die Verhältnisse dort sind nicht einfach. Es gibt vieles, was ich nicht verstehen kann und andererseits kann ich es auch sehr gut verstehen. Bevor ich dort gelandet bin, hatte ich eine vorgefertigte Meinung über Rassismus und Apartheid. Aber es ist mir schnell klar geworden, dass die Sache wesentlich komplexer ist, als es von hier aus den Anschein hat.
Als Weißer steht man auf der Beliebtheitsskala bei den Schwarzen nicht gerade ganz oben. Immerhin herrschte bis 1990 noch die Apartheid, wenn auch nicht so extrem wie in Südafrika. Es ist nicht einfach, mit Schwarzen in Kontakt zu kommen. Es kommt ja noch hinzu, dass kulturell zumindest auf dem Land Welten zwischen uns liegen. Aber auch bei den Schwarzen, die ungefähr auf dem selben Stand wie wir sind, ist erstmal Distanz angesagt. Ich kann es verstehen, denn ich fand die meisten Afrikaaner (die weißen Afrikaner) auch nicht gerade besonders symphatisch. Jedenfalls nicht die ältere Generation, die noch sehr in der Apartheid verwurzelt ist. Doch wenn man sich etwas Mühe gibt, dann funktioniert es auch mit dem Kontakt und die Menschen sind dann sehr liebenswürdig.
Den Menschen (zumindest denen, die ich getroffen habe) geht völlig der Zynismus ab, den wir hier so kultiviert haben. Wobei man dort mit Zynismus auch nicht weiterkommt…
Nicht alle weißen Namibier sind Rassisten. Die, die ich persönlich kennengelernt habe, waren keine. Das größere Problem scheint mir zu sein, dass die weiße und die schwarze Lebensart so grundverschieden ist. Die Menschen haben es sehr schwer, einen Weg zu der jeweiligen Denkungsart zu finden und zusammen etwas zu erreichen. Und die sozialen Unterschiede sind sehr extrem. Durch das Schulsystem haben viele Schwarze immer noch keinen Zugang zu Bildung. Viele leben in völliger Armut - nach westlichem Gesichtspunkt. Und das ist das Schwierigste für mich - ein Einkauf im Supermarkt für ein paar Tage kostet z.B. soviel, wie manche Leute im Monat zu leben haben. Oder einmal volltanken. Aber was kann man machen, ich kann ja nicht aufhören zu essen. Ich habe keine Ahnung, wie das funktioniert und wie die Menschen damit überleben.
Aber ich habe gelernt, dass man die Gegenwart dort erstmal so akzeptieren muss. Denn Namibia schenkt einem besondere gute Erfahrungen. Man kann stundenlang durch die Gegend fahren ohne einen Menschen zu sehen. Die Natur ist sehr nah, aber man muss sie mit Respekt betrachten. Mal kurz abfahren in die Wüste kann auch bedeuten, dass man nie mehr rauskommt… Man begreift schnell, wie absurd und unwichtig viele Dinge sind, die wir hier als selbstverständlich empfinden.
Das Land hat eine besondere Energie. Ich habe mich dort ziemlich schnell zuhause gefühlt, obwohl es mir auch sehr fremd ist. Aber Gefühle und Kopf sprechen ja bekanntlich verschiedene Sprachen.